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28.10.2011, von hardy

James Choice Orchestra

Experimental Jazz ist Musik, bei der sich dem Otto Normal Chartskonsumenten schon einmal die Fingernägel aufrollen. Zu abgedreht für normale Hörkonventionen, zu unverständlich die Harmonien und Songstrukturen. Das James Choice Orchestra aus Köln in Nordhrein Westfalen ist so eine Musikerformation, die in ihrer Musik Kunst für die Einen und Krach für die Anderen erschafft. Damit polarisiert die Band um Frank Gratkowski, keine Frage. Aber es ist diese grenzenlose Freiheit, alles tun und lassen zu können, was einem in den Sinn kommt, die die Besonderheit der Musik des Kölner Quartetts ausmacht. orchester Wobei Quartett so nicht ganz richtig ist, denn die vier Stammmusiker Gratkowski (Altsaxophon und Klarinette), Matthias Schubert (Tenorsaxophon), Carl Ludwig Hübsch (Tuba) und Norbert Stein (Tenorsaxophon), verstärken sich immer wieder mit mehr oder weniger vielen Mitmusikern, so dass das Quartett zum Orchester wird. Thematisch hat man sich, wie es der Bandname schon deutlich macht, mit der Literatur des irischen Schriftsteller James Joyce eingehend beschäftigt. So hat man in den Kompositionen hauptsächlich den Ulysses in den Texten verwendet, etwa einen Monolog der Molly Bloom. Joyce stellt für die Komponisten im James Choice Orchestra einen enorm wichtigen Einfluss dar. Und vergleicht man die offene, freie Struktur von Joyce' Werk mit der sehr ungewöhnlichen, man mag schon beinahe abgedreht dazu sagen, Kompositionsweise der Band, dann wird da ganz flink ein Schuh draus. Ebenso wenig wie es im Ulysses eine traditionelle Rahmenhandlung gibt, da sich der ganze Roman als ein einziger Stream of Consciousness, also einer Abfolge von inneren Gedanken und Überlegungen, gibt es im Klanguniversum der Rheinländer herkömmliche Songstrukturen oder festgelegte Schemata. Erlaubt ist alles, was gefällt, ob es nun den Konventionen der Jazzmusik entspricht oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Ganz wie die Pioniere des Free Jazz lehnen sich Gratkowski und seine Mitmusiker enorm weit aus dem Fenster der klassischen Kompositionslehre hinaus. Das gefällt nicht jedem, zweifelsohne, aber Freunde von experimenteller Musik, die beispielsweise auch das Spätwerk von Frank Zappa (etwa "The Yellow Shark") mit Genuss konsumieren, liegen bei dem Orchester aus Köln absolut richtig und werden an Kompositionen wie "Berichte aus der neuen Stadt" oder "Choice III" ihre helle Freude haben.

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